16. Dezember 2014

GEWALTLOSIGKEIT

Gewaltlos leben scheint anfangs sehr schwer zu fallen, weil diese Lebensweise äußerst unklar formuliert ist; es wird nicht deutlich, inwiefern man Gewaltlosigkeit auslebt, ausstrahlt. Gewaltlosigkeit ist sehr umfassend. Menschen zu erklären was gewaltlos leben bedeutet, fällt mir manchmal ein wenig schwierig, was vor allem daran liegt, dass ich es selbst noch nicht genau für mich definiert habe, mir ist selbst noch nicht deutlich in welchem Maße und in welcher Stärke ich gewaltlos leben möchte oder es schon tue. Seit ich Yoga mache und regelmäßig meditiere verankert sich diese Lebensweise in mir und meinem Geist - bei dem Wort Meditation schalten die meisten häufig schon ab, weil sie denken ich habe zu viele Räucherstäbchen angezündet und dabei meine heiligen Mantras vor mich her gesungen, das ist immer äußerst amüsant für mich, wie ich gestehen muss.
Aber viele interessieren sich auch dafür, weswegen ich heute gerne darüber schreiben möchte, was eine gewaltlose Lebensweise in meinem Leben für einen Stellenwert hat und was ich einhalte, um gewaltlos zu leben.

1 Verbannen von Intoleranz 

Dieser Punkt liegt mir sehr am Herzen, denn für mich ist es außerordentlich wichtig, dass man jedem Menschen mit vollster Toleranz entgegenkommt und Respekt erweist. Du kennst einen Menschen nicht, weil du ihn siehst oder weil du etwas über ihn hörst. Deswegen bedeutet Toleranz für mich nicht nur 'Ich akzeptiere dich als Mensch' sondern auch 'Ich verurteile dich nicht durch Unwissen'. Jemanden nicht zu verurteilen ist  meiner Meinung nach eine hohe Form von Respekt, die jedem Menschen zustehen sollte. Ich gebe mir die größte Mühe einen Menschen in erster Linie als Wesen auf dieser Erde zu sehen, welchem ich Respekt entgegenbringe. Was dabei nicht im Vordergrund steht, ist die Bekleidung des Menschen, die Hautfarbe, die Religion, die Sexualität, das Geschlecht oder die Herkunft. Damit rufe ich nicht zur falschen bzw. 'geheuchelten' Toleranz, zur Naivität oder zur Meinungslosigkeit auf, keinesfalls. Ich werde mir keine Meinung bilden über Fremde, die keinen akuten Verstoß gegen beispielsweise elementare moralische Grundsätze herbeiführen. 


2 Hass und Hässlichkeit

Ich hasse niemanden. Dieses Wort habe ich aus meinem Wortschatz entfernt,  und wenn ich es doch verwende, verbessere ich mich schnellstmöglich. Ich möchte keinen Hass verspüren und ich tue es auch nicht. Es ist nicht okay jemanden zu hassen. Wenn du jemanden hasst, richtest du mehr Schaden in dir selbst an als du in diesem Menschen jemals anrichten könntest, möglicherweise unbewusst. Man kann Emotionen schwer unterbinden, aber man kann es sehr gut erlernen, auf welche Emotionen man sich fokussiert und welche man hinter sich lässt. Wie oft wird bei uns in der Pausenhalle gegrummelt, dass man diesen und jenen Lehrer hasst und wie oft meinen Personen es genau nicht so. Man mag ihn nicht sonderlich, man mag seine Notengebung nicht, man mag seinen Unterricht nicht, aber könnte man jemals einen Menschen in Form von Hass verurteilen, weil man ihn 4 Schulstunden in der Woche sieht und dabei nur seine berufliche Seite. Ich vermute eher nicht. Und auch wenn man es 'nicht so meint' - nur man selbst hat die Kontrolle, was aus seinem Mund kommt und nur man selbst bestimmt jedes Mal aufs Neue, ob man Gutes oder Schlechtes spricht. 
Welches Wort ich eben falls nicht benutze, ist hässlich. Definiere Hässlichkeit. Eben. Wer an den Begriff denkt, denkt automatisch an die äußere Erscheinung. Es gibt keinen Grund jemand hässlich zu nennen. Keinen einzigen. Denn jeder einzelne Mensch ist schön und wenn man nichts Schönes an jemandem entdeckt, schaut man nicht genau genug. Uns selbst falls man einen Menschen als hässlich empfindet, bedeutet das nicht, dass er hässlich ist. Jemanden als hässlich zu bezeichnen und ihm das möglicherweise auch noch zu sagen, bringt dir genau nichts. Demjenigen kann es aber auf höchste Weise wehtun. Wie oft sich deswegen Personen schon in den Schlaf geweint haben, sich selbst angefangen haben zu hassen, sich selbst verletzt haben - dadrüber müssen wir nicht diskutieren und allein solch eine Gewalt an Menschen anzuwenden, dass man die Macht hat ihn zu zerstören oder ihn sich selbst zerstören zu lassen, ist Grund genug dafür gewaltlos zu leben und gewaltlos zu reden. Der Mensch hört vielleicht nicht, dass du ihn als hässlich oder fett oder dumm bezeichnest, aber du hörst es selbst und das reicht schon. 


3 Gewaltlos gegenüber anderen Geschöpfen

Ich bin vegan. Das bedeutet ich esse keine tierischen Produkte außer in meinem Mittagessen, da ich meine Eltern nichts zwangsveganisieren möchte. Es schränkt ihre Freiheit in hohem Maße ein, denn damit ich das Recht habe essen zu können, was ich will, müssten sie ihr Recht verlieren. Es wirkt für mich, als würde ich ihnen keinen Respekt erweisen und es nicht würdigen, dass sie jeden Mittag vegetarisch für mich kochen. Ich brauche eine vegan-vegetarische Ernährung, um gewaltlos leben zu können und mich wohl zu fühlen. Auch wenn ich die Tiere natürlich nicht selbst schlachte, habe ich für mich entschieden nicht gewaltlos leben zu können, wenn ich sie esse. Ich möchte, dass meine Ernährungsweise respektiert wird und dafür akzeptiere ich jede andere auch. Jeder darf in meinen Augen das essen, was er will solange er sich wohl fühlt - ob das 1kg Hacksteak ist, 1kg Petersilie oder 1kg Emmentaler ist oder nicht. Ich sehe es als Intoleranz an, jemanden aufgrund seiner Ernährungsweise zu verurteilen genauso wie aufgrund seiner Religion oder seines Gewichtes. Inwiefern die eigene Lebensweise nachhaltig ist, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Wenn man mich versucht zu einer Ernährungsweise zu drängen, sehe ich das als eine Art Respektlosigkeit ein, weil die Ernährungsweise als eine elementare Freiheit in meinen Augen zählt und sie genauso wenig aufgezwungen werden kann wie eine Religion. 



Es ist nur ein kleiner Einblick darin, was es in meinem Leben heißt, gewaltlos zu leben. Wichtig dabei ist, dass man das machen sollte und so handeln sollte, wobei/wie man sich wohlfühlt und Freude hat, solange die Freiheit anderer nicht eingeschränkt wird, verständlicherweise eingeschränkt wird. Damit meine ich, dass man sich von kopftuchtragenden Frauen oder dunkelhäutigen Menschen nicht in seiner Freiheit konstruktiv eingeschränkt fühlen kann (wie so auch immer man das tun sollte), da das gerade eine solche Form von Respektlosigkeit widerspiegelt, die man anscheinend durch die alleinige Existenz eines anderen verspürt. Dies stellt aber nur meine Meinung dar, ich spreche für mich - nicht für andere, wenn jemand anderer Meinung ist, freue ich mich immer diese zu erfahren. 

Man kann mich als Idealistin bezeichnen, aber das scheint für mich kein negativer Ausdruck zu sein oder in irgendeiner Weise mit Dummheit gleichzusetzen zu sein - ich bin gerne Idealist, wenn Idealismus eine breitflächige Toleranz symbolisiert. Ich bin mir absolut sicher, dass ich diese Lebensweise verinnerlichen werde und leben werde bis zu meinem Lebensende, denn was ich mittlerweile nicht mehr hören kann, ist die 'Lebenserfahrung' und ' vorige Begegnungen mit einem solchen Typ Mensch', welche anscheinend Vorurteile legitimiert/-en. 


Ich würde liebend gerne eure Meinung hören !
Ich merke, ich habe mich ein wenig kompliziert ausgedrückt,
 aber vielleicht versteht ihr mich ja trotzdem ❤
 « auf ganz bald »
Johanna x

You and me. We are one. I can’t hurt you without hurting myself.”
- Mahatma Gandhi


"If they respect you, respect them.
 If they disrespect you, still respect them.
Do not allow the actions of others to decrease your good manners,
because you represent yourself, not others"
- Anonym